Monatsspruch für Juli 2026
„Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ Amos 5,24
Bei Recht und Gerechtigkeit denken wir eher an etwas, das fest steht und nicht gebeugt werden darf. Deshalb erstaunt mich dieser Vers: Recht und Gerechtigkeit, die strömen, in Bewegung sind und nie versiegen.
Ich schaue nach dem Zusammenhang in der Bibel: Der Prophet Amos klagt die Oberschicht in Israel an. Sie unterdrücken die Armen, nehmen Bestechungsgelder an und hassen die, die ihnen die Wahrheit sagen.
Deshalb sagt ihnen Gott: „Ich hasse und verachte eure Feste . . . An euren Speiseopfern habe ich kein Gefallen . . . Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder . . .“ (V.21-23) Und dann folgt unser Monatsspruch.
Die Oberschicht in Israel hat die Gebote Gottes sicher nicht direkt abgeschafft, hat sie aber erstarren lassen. Darin ist kein Leben mehr, und was nur irgendwo gut verwahrt in einem Buch steht, bewegt keinen dazu, sein Leben zu ändern. Auch fromme Feiern und Lieder können daran nichts ändern, wenn das Leben so ganz anders aussieht.
Die alttestamentliche Vorstellung von Gerechtigkeit meinte ursprünglich mehr als nur die Übereinstimmung der Taten mit festen Regeln und Gesetzen. Vielmehr stand dabei die lebendige Beziehung zu Gott im Vordergrund. Diese Beziehung sollte sich im Verhalten des Menschen widerspiegeln.
Genau das mahnt der Prophet Amos an. „Besinnt euch auf Gott und seine Güte, schaut die Menschen in eurer Umgebung mit seinen Augen an. Dann werden Recht und Gerechtigkeit strömen. Dann werden Nächstenliebe und Erbarmen euer Handeln bestimmen. Und dann werdet ihr echte Gottesdienste feiern können und Gott wird sich an euren Lobliedern freuen.“ - Das steht nicht genauso in der Bibel, aber ich denke das ist es, was Amos gemeint hat.
Und das gilt auch für uns heute. Unsere Beziehung zu Gott will gelebt werden und sich in unserem Handeln widerspiegeln. In der Bibel lesen, singen und Gottesdienste feiern ist gut. Aber darin, wie wir in unserem Alltag leben, zeigt sich, wie es mit unserer Beziehung zu Gott bestellt ist. Möge der Heilige Geist uns dazu helfen, dass unser Glaube und unser Leben, unsere Worte und unsere Taten eine Einheit sind, die von ihm geprägt ist.
Gerlinde Kortenhoeven