Impuls zur Monatslosung

Gott lieben

Monatsspruch für Januar:

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“
5. Mose 6,5

Lieber Alltag,

heute will ich ein Gespräch mit dir führen. Vielleicht wird es auch eher ein Monolog als ein Gespräch. Du bist doch der, mit dem ich am meisten zu tun habe, eigentlich täglich. Die Festtage liegen hinter mir, Weihnachten war dieses Jahr etwas Besonderes und Silvester ein feierlicher Abschluss des letzten Jahres. Und jetzt bist du wieder da, mein manchmal abwechslungsreicher, manchmal gleichförmiger Alltag.

Dieser Vers über Gott, den Herrn, hat wohl weniger mit dir zu tun, ist eher etwas für kirchliche Zeremonien. Bei Dir, Alltag, denke ich nicht an pathetische Aufrufe und Appelle wie „du sollst“, da denke ich an die nötigen Erledigungen, an Anrufe oder Treffen mit Menschen, wozu am Jahresende keine Zeit mehr war, an die neuen und an die unliebsamen, liegengebliebenen Aufgaben.

Und ab und zu denke ich drüber hinaus noch an die fehlenden oder sich viel zu langsam entwickelnden Lösungen der tiefgreifenden Probleme in unserer Gesellschaft und in unserer Welt. Am besten mache ich hier Schluss mit meiner Aufzählung, sonst kommt noch mehr dazu. Schon jetzt weiß ich nicht, womit ich anfangen soll, was besonders wichtig ist und was warten kann oder muss.

Soviel zu dir, Alltag: zu viele Aufgaben, Probleme und Herausforderungen. Hast Du eigentlich mal eine Ruhezeit im Jahr ohne neue Herausforderungen? Oder dürfte ich mir mal ab und zu einen kleinen Moment zum Anhalten nehmen, quasi auf die Pause-Taste bei dir drücken? Manchmal möchte ich mich einfach sortieren: nötig, dringend, kann warten, nicht so dringend aber schön … Du deckst mir zwar meinen Tisch im Angesicht meines Terminkalenders, aber auswählen und einschenken muss ich mir schon selbst.
Ich brauche einen festen Punkt, ein festes Gegenüber, an dem ich mich orientieren kann. Nein, nicht jemand, der mir sagt, was ich tun oder lassen soll. Jemand, der mir solch eine Sicherheit und einen Rückhalt gibt, dass ich mit meiner ganzen Kraft an meine Aufgaben gehe. Jemand, der mir die Sicherheit gibt, dass mit meinen Entscheidungen mein Leben und das der anderen gelingt.

Wenn ich mich hier mit dir reden höre, klingt das nach einer tiefen Sehnsucht nach einem, der mir festen Halt gibt, im Alltag, mit mir selbst, mit anderen, mit … Oder ist dieser Vers doch nicht nur etwas für kirchliche Rituale, für festliche Weihnachtsstimmung und Gottes viel besungener Liebe? Finde ich hier vielleicht das, wonach ich suche … für mein Leben … für meinen Alltag … für meine Entscheidungen und mein Tun? Könnte das bedeuten, dass ich, bevor ich mich mit aller Kraft dem Alltag widme, mich an Gott und
seine Liebe wende – auch mit allen meinen Möglichkeiten? Wenn ich dem Gott, dem Ursprung meines Lebens, mit allen meinen Möglichkeiten Liebe entgegenbringe, dann ist das vielleicht der Schlüssel für den Alltag. Das eine lässt sich ja vom anderen nicht trennen.

Liebe gegenüber Gott und Liebe im Alltag – wie zwei Seiten einer Medaille.
Das eine ohne das andere geht nicht.
Also kein Festtags-Vers, sondern Alltags-Vers!
Ich möchte gerne liebend daran glauben, danach leben.

Alltag, bist du noch da, hörst du mir noch zu? Keine Antwort. Ich glaube, er hat gerade selbst auf die Pause-Taste gedrückt - Zeit für … s.o.

Martin Wunderlich

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