„Alles ist erlaubt, aber nicht alles nützt. Alles ist erlaubt, aber nicht alles baut auf. Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen.“ 1. Korinther 10, 23-24
Klingt dieser Satz nicht großartig? Alles ist erlaubt! Ich denke ein paar Jahre zurück. Ich sehe mich als Kind. Sehe mich als Teenager. Wie oft hätte ich mir solch einen Satz gewünscht. Alles ist erlaubt! Keine Eltern, die einem etwas verbieten. Die einem vorschreiben, was zu tun ist. Keine Regeln, an die man sich halten braucht. Ich darf tun, was ich will. Grenzenlose Freiheit. Ein Kindestraum! Und jetzt gehe ich wieder zurück in die Gegenwart. Ist das heute anders? Nun, ein bisschen vielleicht. Aber eigentlich will ich auch immer noch, das tun, was ich gerne möchte. Ich möchte mir eigentlich immer noch nicht vorschreiben lassen, wie ich mein Leben zu leben habe. Ich möchte ja selbst leben und nicht gelebt werden. Ich bin unabhängig und frei.
Und diese Freiheit können wir sogar theologisch stützen. Denn wir sind ja von Christus zur Freiheit berufen. Wir sind vom Gesetz befreit. Uns ist alles erlaubt. So haben das auch die Christen aus der Gemeinde in Korinth an Paulus geschrieben. „Wir leben in Freiheit. Uns ist doch alles erlaubt, deshalb dürfen wir auch tun, was wir wollen.“
Und das stimmt auch! Paulus, von dem dieser Monatsspruch stammt, antwortet ihnen zunächst: „Ja, in der Tat. Uns ist alles erlaubt!“ Es war Paulus schon immer wichtig, zu betonen, dass wir von Christus befreit sind und deshalb wirklich auch frei vom ‚Gesetz‘ sind! Wir haben keine Vorgaben und Regeln mehr, mit denen wir uns Gottes Anerkennung verdienen müssten. Das genau ist ja die Gnade Gottes. Dass wir zu Gott gehören, hängt eben nicht an Geboten. Dass jemand zu unserer Gemeinde gehört, hängt nicht daran, ob er Regeln befolgt. Sondern allein am Glauben an Jesus, an unserer lebendigen Beziehung zu ihm. Das ist ja die gute Nachricht: Freiheit vom Gesetz! Und so kann Paulus auch sagen: Uns ist alles erlaubt.
Aber… Für Paulus ist noch nicht alles gesagt. Denn diese Freiheit kann missverstanden werden. Und das war bei einigen der Korinther der Fall. „Alles ist erlaubt, aber nicht alles nützt. Nicht alles baut auf!“ Diese Freiheit hat genau nicht das Ziel, nun zu tun und zu lassen, was man will. Denn zum einen ist ja gar nicht alles nützlich und gut für uns selbst. Nur weil ich rauchen darf, heißt es ja nicht, dass es gut ist. Das ist relativ eindeutig.
Aber Paulus bringt auch noch einen zweiten Aspekt ein. Nicht alles baut auf. Meine Freiheit als Christ hat also das Ziel aufzubauen. Gut zu tun. Den anderen in den Blick zu nehmen. Ich bin nicht zuallererst dazu frei, zu tun und zu lassen, was ich will. Das ist im Grunde egoistisch. Sondern Jesus befreit uns dazu, von uns selbst weggucken zu können und auf den anderen zu schauen. Weil Jesus uns wertvoll macht und für uns sorgt, sind wir befreit andere aufzubauen. „Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen.“
Was heißt das nun konkret für mich?
Ich bin durch Jesus befreit! Ich bin frei, meine Beziehung zu Gott so zu gestalten, wie ich es will. Ich bin frei, meine Beziehung zu meinen Mitmenschen so zu leben, wie ich das will. Und ich bin frei, in der Gemeinde zu tun und auch zu lassen, was ich will. Mir ist alles erlaubt. Und eigene Wünsche und zu Ziele zu haben und zu verfolgen ist auch gut. Aber wirkliche Freiheit fragt dabei auch nach dem anderen. Wie es ihm geht. Wie es ihm nützt. Wie es ihn aufbaut. Diese Freiheit schenkt uns Jesus. Und diese Freiheit möchte ich leben!
Sebastian Balsys