Das ungewöhnliche Schicksal
der Katharina von Bora
Theaterstück in 16 Szenen
von und mit Mirjana Angelina
Sonntag, 1. November 2009, 18.30 Uhr
Das ungewöhnliche Schicksal der Katharina von Bora wurde eindrucksvoll in 16 Szenen von Mirjana Angelina in einem Ein-Frau-Stück gespielt. In einer großartigen schauspielerischen Leistung nahm Mirjana Angelina die Zuschauer mit in das Leben der Katharina zu Wittenberg. Sie ließ die begeisterten Besucher mit der Frau von Martin Luther leiden und lachen. Eine Biografie auf der Bühne, die sich mit 30 Lebensjahren einer starken Frau beschäftigte, hineingekommen in ihr Leben, das so fremd war und so nah und lebendig wurde.
Katharina von Bora wurde in eine Zeit des Umbruchs hineingeboren, die ihr ganzes Leben prägen sollte. Als mittelsloses Edelfräulein gab ihr Vater sie schon in jungen Jahren ins Kloster. Dort wurde sie zum ersten Mal mit der reformatorischen Idee Luthers konfrontiert: „Ein Christenmensch ist frei…“. Sie traf den Entschluss sich an Luther zu wenden, damit er ihr und elf weiteren Nonnen die Flucht aus dem Kloster ermöglichen sollte. Ein nicht ungefährliches Unterfangen für Luther, stand doch hierauf die Todesstrafe. Aber für Katharina eröffnete sich nach der Flucht nach Wittenberg ein neues Leben, das nach dem kargen Dasein im Kloster, in dem sogar das Lachen verboten war, ihr wundervoll vorkam. „Ich bin nicht von Sinnen. Ich bin eine freie Christin…“. Während die anderen Nonnen verhältnismäßig schnell einen neuen Lebensunterhalt fanden, blieb das Schicksal Katharinas zunächst offen. Nach einer unglücklichen Liebe, die an Standesdünkeln scheiterte, heiratete sie schließlich Luther. Obwohl diese Ehe nicht aus Liebe geschlossen wurde – für Luther war der Zweck der Ehe Kinderzeugung und –aufzucht sowie eine Kampfansage für ihn als ehemaligen Mönch gegen das Zölibat – erwuchs aus dem gegenseitigen Respekt eine tiefe, innige Liebesbeziehung, die nicht ohne Auswirkung auf die soziale Stellung der Frau zu Beginn der Neuzeit bleiben sollte. Katharina versorgte die Kinder (sie gebar sechs Kinder, von denen zwei früh starben), Gäste, Studenten, Dienstboten, Tagelöhner, Vieh, Gärten, ein Brauhaus, sowie ein Waschhaus. Ein Alltag, der von Verleumdung, Krankheit und Geldsorgen geprägt war. Luther erklärte seiner Katharina, die er liebevoll Käte nannte, immer wieder, dass Sorgen nicht ihr Amt sei. „Bete du und lasse Gott sorgen.“ Katharina war die starke Frau an der Seite von Martin Luther. Sie war nicht das demütige, unterwürfige Heimchen am Herd, die Frau aus dem Mittelalter, sie war die Gehilfin, Beraterin und Partnerin ihres Mannes.
Die Nachricht vom Tod ihres Mannes in Eisenach am 18.2.1546 traf Katharina tief. „Wie soll ich leben ohne dich? Mein Herz leidet. Ich war nicht bei dir in der Stunde des Todes. Ein Fürst Gottes ist gestorben.“ Und Katharina kämpfte weiter. Wirtschaftlich am Ende, Flucht vor dem Krieg, sie gab nicht auf. Durch alle Tiefen und Höhen wurden die Worte des berühmten Lutherliedes für sie zu einer ganz persönlichen Erfahrung: „Eine feste Burg ist unser Gott.“
Vor der Pest flieht sie schließlich 1552 nach Torgau, wo sie am 20. Dezember stirbt.
Ein eindruckvolles Leben einer starken Frau, lebendig gemacht durch die hervorragende schauspielerische Leistung Mirjana Angelinas.
Mit einem lang anhaltendem Applaus dankte das Publikum im voll besetzten Saal der Baptisten-Gemeinde, die zusammen mit der Paul-Gerhardt-Schule Hanau die Vorstellung veranstaltete, der Schauspielerin für ihre hervorragende Darbietung.
Im Anschluss stand die Schauspielerin den Fragen der Zuschauer Rede und Antwort. „Dieses Stück ist ein Resultat meiner Antwort auf die Frage: Wie kann ich die Menschen über die Kultur mit dem Glauben erreichen? - Ich schreibe Theaterstücke über Themen, die allgemeines Kulturgut in diesem Land sind. Die Reformation und Martin Luther gehören zum Kulturgut unseres Landes und haben unmittelbar mit dem Glauben zu tun.“
Sylvia Sehring, (Schulmutter in Hanau)