Keramik ... seit der Steinzeit bedient sich der Mensch dieses Materials, sei es durch trocknen als Baustein für seine Behausungen, sei es in Verbindung mit Feuer durch Brennen für Figuren, Reliefs oder Gefäße.
Aus Mesopotamien, aus den alten Kulturen des Zwei-stromlandes, sind uns kleine Tonfiguren überliefert, die teilweise 6.000 Jahre v.Chr. angefertigt wurden. Sie dienten meist religiösen und kultischen Zwecken. Ebenso haben wir Zeugnisse von plastischen Kunstwerken dieser Art aus Ägypten, Griechenland und dem alten Rom.
Die Plastik, zurückzuführen auf das griechische Wort "platikòs", was im Sinne von formbar oder bildsam steht, diese plastische Kunst ist das Ergebnis eines visuellen und fühlbaren Eindrucks. In der Zeit der Renaissance, in der man die antike Kunst wiederentdeckte, diskutierte man ausgiebig darüber, welche Kunst denn die bessere sei - die Malerei oder die Bildhauerei ... Nun, wir wollen dieses Problem heute nicht lösen.
Wir haben in unserem Keramikrelief eine Synthese aus Form und Farbe in Verbindung mit einer Aussage, die am Anfang stehen sollte, wie das Wort am Anfang der Schöpfung steht.

Das Relief ist in zwei Hauptthemen gegliedert. In den linken Teil: "Kommet her zu mir alle..." und in den rechten Teil: "Gehet hin in alle Welt..." Dabei sind Farben, Formen, Linienführung ebenso als Ausdrucksmittel eingesetzt, wie erkennbare Symbole, Metaphern oder bildhafte Gleichnisse, wie das des verlorenen Sohnes.
"Meine Bilder beginne ich immer mit dem Himmel", sagte Alfred Sisley, ein französischer Maler des vorigen Jahrhunderts. Unser Keramikrelief ist dagegen von Dunkeln ins Helle aufgebaut - vom Dunkeln, der Farbe der Erde, geformt aus Lehm und Ton, dem einfachen, schlichten Material, von dem uns schon die Schöpfungsgeschichte berichtet. "Da formte der Herr den Menschen aus Erde vom Ackerboden... er formte aus dem Ackerboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels."
Es war nicht die Absicht, eine Wirklichkeitstreue anzustreben. Vielmehr sollten die Figuren und Formen zum Nachdenken anregen und Freude am Herausfinden der Botschaft wecken.
Das Bild hat eine alte Tradition in der Kirchengeschichte, besonders in der Ostkirche, wo es als Kultgegenstand verehrt oder gar angebetet wurde, was dann auch den ersten Bildersturm auslöste.
Calvinistisch reformierte Kirchen wurden jeglischen Bilderschmucks beraubt. Auch unsere protestantischen Gotteshäuser sind meist schmucklos im Vergleich zu den überladenen Kirchen des Barock.
Mein Wunsch ist, dass dieses Relief nicht nur Schmuck in einer schönen, modernen Architektur sei, sondern eine Botschaft vermittelt. Auch wenn diese zunächst etwas verschlüsselt erscheinen sollte.
Ich schließe mit einem Zitat von dem berühmten Maler des 18. Jahrhunderts, William Blake, der viele biblische Szenen in seinen Bildern darstellte: "Die meisten Männer des Altertums waren der Meinung, dass das, was nicht allzu deutlich ist, sich am besten zur Belehrung eignet." Anstelle Belehrung würde ich jedoch Andacht und Meditation sagen.
Hannelore Clemenz-Rau