Mit Kittel, Birkenstock-Schlappen, Norweger-Socken und einem zur Schleife gebundenen Kopftuch bekleidet und mit Feudel und Putzeimer bewaffnet kam die selbsternannte „Sakralraumpfläscherin“ auf die Bühne, um den Hanauern im Rahmen ihres „schwäbischen Putzmotivationsabends“ das Lachen zu lehren.
Margit Martin, alias Klara Scheibele brachte an diesem Abend in einer „Eine-Frau-Show“ Comedy vom Feinsten auf die Bühne, was seitens des Publikums eine Lachtirade nach der anderen zur Folge hatte. Das Publikum wurde allerdings auch kräftig mit einbezogen, sei es durch gemeinsame, rythmische Sprechübungen oder durch einzelne, meist nicht ganz freiwillig Mitwirkende auf der Bühne. Niemand konnte sich wirklich sicher sein, nicht plötzlich auf der Bühne zu stehen, um beispielsweise mit einem Bäffchen aus Klopapier um den Hals wieder auf seinen Platz entlassen zu werden.
Zunächst beschrieb Klara ihren beruflichen Werdegang. Dabei kam heraus, dass sie bereits als Rollenverteilerin am Stuttgarter Staatstheater gearbeitet hatte. Erst wenig später begriff der erstaunte Zuschauer, dass es sich hierbei um die zu verteilenden Klopapierrollen handelte. Diese Szene endete dann in einem leicht chaotischen, kollektiven Jonglieren mit Klopapierrollen im Gemeindesaal und auf der Bühne.
Außerdem hat sie sich noch als Erfinderin betätigt und neben diversen Putzmitteln auch eine Sauberkeitsbrille erfunden, welche prompt auf der Nase einer Person im Publikum landete und aussah wie eine normale Sonnenbrille. Die Auflösung war, dass der Dreck mit der Brille zwar nicht weg ist, aber man sieht ihn nicht mehr. Eine Methode, die wir als Christen auch manchmal gerne anwenden.
Der Bezug zu unserem christlichen Alltag kam nicht zu kurz, wenn er auch nicht im Vordergrund stand. Beispielsweise fand ich die Aussage „Christen sollten erlöster aussehen“ durchaus bedenkenswert, wenn er auch auf den Gesichtszug eines Christen bezogen war, der etwas zu spät das „stille Örtchen“ gefunden hatte.
Dass man nach so vielen „Expeditionen ins Putzreich“, Albträumen wegen eines tolpatschig verursachten Flecks auf dem Altar, im Putzwahn zerbrochenen „Meissner Parmesans“ und dem „literarischen Klosett“ reif für die „Selbsthilfegruppe der anonymen Putzsüchtigen“ ist, verwundert nicht wirklich. Da hilft selbst der „Psychopater“ nicht mehr.
Erich Powils